Ergebnisse der ersten Stammtischsitzung „ÖPNV für Holzwickede“

Am 14.4. kamen interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen um über den öffentlichen Personennahverkehr in Holzwickede und dessen mögliche Verbesserungen zu beratschlagen. Auch nach dem Treffen gab es Vorschläge per Mail von Bürgern, die es zum Stammtisch nicht geschafft haben. Es wurden Ziele formuliert, die Situation analysiert und auch ganz konkrete Vorschläge entwickelt.

Zusammenfassung

Es wurde festgestellt, dass ein erheblicher Teil der Bürger keine ausreichenden Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr hat. Dieser beschränkt sich auf die weitgehend parallel in Nord-Süd Richtung verlaufenden Buslinien R51 und R52. Die Wohngebiete Altes Dorf, Natorp sowie insbesondere Rausing und Hohenleuchte mit ihren dicht bebauten Neubaugebeiten und hoher Bevölkerungsdichte sind nicht ans Busnetz angeschlossen.

Weiterhin bemängelten viele Teilnehmer, dass die Busse Abends an Wochenenden und Feiertagen nicht mehr fahren und somit für Freizeitfahrten – Ausgehen in Unna oder Dortmund zum Beispiel – nicht zur Verfügung stünden. Darüber hinaus wurde von der Unzuverlässigkeit der Taxi-Buslinien berichtet („Glücksspiel, ob die wirklich kommen“). Das aufgrund der Auslastung des hiesigen Taxi-Unternehmens als Taxi-Bus zum Beispiel unter der Woche ab 20:00 keine Taxen mehr zur Verfügung stehen, verschärft das Problem fehlender Busanbindung für betroffene Gebiete.

Für Schülerinnen und Schüler stellen die unzuverlässigen und unflexiblen Schulbuslinien ein weiteres Problem, was Mangels Alternativen durch regulären Busverkehr dazu führt, dass Schülerinnen und Schüler auf Elterntaxis angewiesen sind. Durch die oben beschrieben Probleme sind die Schülerinnen und Schüler auch in ihrem Freizeitverhalten besonders eingeschränkt.

Positiv hervorgehoben wurde die insgesamt gute Anbindung des Holzwickeder Bahnhofs an den Regional und Fernverkehr, wobei diese aktuell in Richtung Dortmund sehr unter Umbaumaßnahmen und Personalmangel der RB59 leide.

Aus dieser Analyse wurden folgende Ziele entwickelt

Ziele

  1. Verbesserung der Anbindung an Nachbarstädte: Die Anbindung an Nachbarstädte, insbesondere an die Stadt Dortmund und deren östliche Subzentren wie Aplerbeck u. Lichtendorf soll erheblich verbessert werden.
  2. Bessere innere Vernetzung: Deutlich mehr Einwohner sollen einen ÖPNV-Anschluss in unmittelbarer Nähe erhalten und von dort zumindest zum Holzwickeder Bahnhof kommen.
    Idealer Weise erfolgt dies über Linien, die in Gegenrichtung anderen Verkehrsknotenpunkte, zum Beispiel in Nachbargemeinden oder Subzentren, anfahren. Insgesamt sollen mehr Destinationen in- und außerhalb erreichbar werden. Auch Nachts am Wochenende soll es Möglichkeiten geben, vom Bahnhof zum Wohnort zu kommen.
    Außerdem sollen die Umstiege sicherer und die Taxi-Busse zuverlässiger werden.
  3. Die Busanbindung der Schulen soll verbessert werden: Dies kann bereits durch eine Verbesserung der inneren Vernetzung (s.o.) erreicht werden, wenn das Schulzentrum mit bedacht wird. In jedem Fall sollte die starke Fokussierung auf extrem lange Schulbuslinien, die bereits mit hohen Verspätungen nach Holzwickede kommen, aufgebrochen werden.

Vorschläge

Dortmunder Buslinien, die momentan nur bis zur Gemeindegrenze fahren, könnten in den ÖPNV in Holzwickede eingebunden werden. Eine Weiterführung der DSW21 Linie 490 oder alternativ 437 über die Sölder Straße zum Bahnhof würde die Anbindung des Ortsteils Hohenleuchte und des Schulzentrums ermöglichen und gleichzeitig eine weitere zuverlässige Anbindung an Dortmund über den Ortsteil Aplerbeck bieten. Aufgrund der hohen Taktung und (im Falle der Linie 490) des Wochendverkehrs würde sich so die Gesamtsituation massiv verbessern und gleichzeitig eine höhere Auslastung der bisher eher sehr gering ausgelasteten Busse erreicht werden.

Die Linien R51 und 438 (DEW21) im Bereich Landskrone sollten besser verzahnt werden, damit zum Beispiel Schulkinder nicht ständig in Eile, den Bus nicht zu verpassen, über die Straßen rennen müssen.

Darüber hinaus sollte die Gemeinde prüfen, inwiefern sich innovative Konzepte, wie Mobilitätsstationen, Fahrradgaragen oder Gemeinde-Car-Sharing etablieren ließe. Viele dieser Maßnahmen förderfähig, so können zum Beispiel Fahrradgaragen inklusive Solardach vollständig vom Land finanziert werden und etwaige Verluste durch Car-Sharing werde bis zu einem Deckelbetrag vom Land erstattet.

Weitere konkrete Vorschläge und Details wurden im Ergebnisprotokoll der Sitzung (s.u.) festgehalten. Wichtig war allen Teilnehmern, dass die Maßnahmen zeitnah erfolgen sollten, damit der Schwung durch das 9€ Ticket genutzt werden. Außerdem treibt die fortschreitende Klimakrise zum Handeln an. Besondere Eile ist beim Neubaugebiet Emscherquelle geboten, da bei weiterer Verzögerung viele Einwohner zur Anschaffung eines Zweit- oder Drittwagens gezwungen wären. Nach dieser Investition wäre ein Umstieg auf den ÖPNV unwirtschaftlich was die Abhängigkeit vom Pkw-Verkehr verfestigen würde. Hier sind Lösungen zu bevorzugen, von denen auch andere Gebiete profitieren.

Ergebnisprotokoll

Analyse

  • Die innere-Vernetzung zum Bahnhof ist für einen erheblichen Teil Holzwickedes unzureichend oder nicht gegeben (s.u.)
  • Die äußere Anbindung an Nachbargemeinden erfolgt fast ausschließlich über den Bahnhof, sowie den äußersten Südwesten (Landskrone).
  • Besonders schlechte Anbindung des NBG „Emscherquelle“, Zugezogene durch eingezeichnete Haltestelle im Plan des Verkaufsmaterials getäuscht und nun ohne Alternative zum Auto.
  • Weitere schlecht angebundene Gebiete im Nordosten (Hirtenweg) und Osten (Massener Str.), sowie z.T. westlich der Nordstraße
  • Holzwickede hat eine immense Ein- und Auspendlerquote. Fast die Hälfte aller Holzwickeder pendelt zur Arbeit in eine Nachbargemeinde. Deutlich mehr als die Hälfte des Pendlerverkehrs entfällt dabei auf die Nachbarstadt Dortmund, es pendelt also etwa jeder vierte Holzwickeder nach Dortmund. Diese herausragende Pendlerbeziehung zu Dortmund muss sich auch in der ÖPNV-Anbindung an Dortmund widerspiegeln. Die aktuelle, fast ausschließliche Anbindung über die RB59 ist nicht ausreichend und zu unflexibel.
  • Schlechte ÖPNV-Anbindung für Schulkinder, insb. für Schüler/innen aus Dortmund, die die Weiterführenden Schulen in HoWi besuchen wollen
  • Hohes Potential durch gut angebundenen Bahnhof und das gut ausgebaute ÖPNV in der Nachbarstadt Dortmund. Dieses soll für eine übergreifende Vernetzung genutzt werden!
  • Es soll geprüft werden, ob die im Nahverkehrsplan des Kreises festgelegten Mindestanforderungen verletzt sind (insb. im großen Neubaugebiet „Emscherquelle“)
  • Ein angemessenes ÖPNV ist ein Baustein der zentralen Daseinsgrundfunktion „Am Verkehr teilnehmen“ und somit wichtig für die freie Entwicklung des Individuums, unabhängig von sozioökonomischer und gesundheitlicher Situation sowie dem Alter. Als Ergänzung und Alternative zum motorisierten Individualverkehr trägt ein funktionierender ÖPNV aktiv zum Klimaschutz bei. Eine finanziell abgesicherte Gemeinde wie Holzwickede steht hier in der Bringschuld für ihre Bürgerinnen und Bürger!

Vorschläge

  1. Fortführung bzw. Umlegung Dortmunder Linien (DSW21) zum Bf. HoWi
    • Z.B. Erweiterung Linie 437 aus Aplerbeck (inklusive Ergänzung um Wochenendfahrten), Erschließung der Sölder Str. und des NBG „Emscherquelle“, Halt am Schulzentrum und Bf. HoWi, +Verbindung nach Sölde und Aplerbeck (siehe Karte)
    • Z.B. Umlegung Linie 490 aus Aplerbeck auf eine etwas südlichere Route (z.B. durch das Gewerbegebiet Rausing), Erschließung der Sölder Str. und des NBG „Emscherquelle“, Halt am Bf. HoWi vor dem Halt am Flughafen (siehe Karte)
  2. Verbesserte Verzahnung R51 und 438 (DSW21) im Bereich Landskrone für mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit
    • Umstieg an gemeinsamer Haltestelle, damit die Kinder nicht bei Verspätungen über die Straßen sprinten müssen
  3. Errichtung von Fahrradgaragen und wenn möglich Mobilitätstationen (Bus/Anrufsammeltaxis + Fahrradgaragen + Mietwagen usw.) an neuralgischen Punkten (siehe Karte)
    • Nutzung der umfassenden Förderung des Landes insb. für Fahrradgaragen (Infos: Patrick, Friedhelm)
  4. Erweiterung des Ruftaxis T47 nach Holzwickede sowie Erweiterung um Sonntagsfahrten (an Schwimmbadöffnungen gekoppelt)
  5. Ruftaxis-Netz muss zuverlässig(er) werden (Bürger berichteten von bestellten Ruftaxis die des Öfteren nicht kamen, Ruftaxis wurden als „Glücksspiel“ wahrgenommen)
  6. Anschluss an den Nachtexpressverkehr aus Dortmund (Weiterführung von Sölde oder Wickede)
  7. Visionäres, langfristiges Projekt: Dortmunder Stadtbahnlinie U47 nach Holzwickede weiterführen und Flughafen und Bahnhof anbinden
  8. Prüfung der Kosten für o.g. Maßnahmen
  9. Aufnahme der Punkte in das neuer Nahverkehrskonzept HoWi
  10. Maßnahmen müssen zeitnah erfolgen, damit Fördertöpfe nicht erschöpft sind und nicht der „Zwang“ zum Zweit- und Drittwagen – mit dem damit eingehenden Parkplatzmangel und den entsprechenden Pfadabhängigkeiten – entsteht!

Anmerkungen

  1. Mobilitätsstationen bündeln verschiedene Mobilitätsformen an einem Ort. Hierzu gehören z.B. Bushaltestellen oder Sammelstellen für Anrufsammeltaxis, abschließbare Fahrradgaragen, (überdachte) Abstellplätze für Fahrräder und Car-Sharing Stationen. Die Stationen sind idealerweise mit Photovoltaikanlagen ausgestatten und nachts angemessen beleuchtet (warmes Licht, keine Blendung von Anwohnern, keine unnötige Beeinträchtigung von Tieren und Insekten). Bei den Fahrradabstellmöglichkeiten werden Lastenfahrräder und Fahrräder mit (Kinder-)Anhänger bzw. Kindersitz mitbedacht (ausreichende Dimensionen).
  2. Anrufsammeltaxi-Stationen bieten sich in Verbindung mit Mobilitätsstationen besonders an, um schlecht angebundene Quartiere, die sich nicht gut in den Linienverkehr integrieren lassen, an den ÖPNV anzubinden. In Holwickede könnte dies z.B. die in der Analyse genannten Quartiere im Norden und Osten, sowie das Neubaugebiet „Neue Karoline“ sein.
  3. Viele Maßnahmen werden vom Land großzügig gefördert. Fahrradgaragen auch mit Photovoltaik werden vollständig gefördert. Es ist noch ein großes Kontigent an Fördergeldern verfügbar und es werden auch mehrere Maßnahmen gefördert (Anbieter haben sich z.T. an die Anforderungen angepasst und können uns hinsichtlich der Förderung beraten). Hier gibt es verschiedene Konzepte, die passend zum Einsatzort ausgewählt werden können, z.B. online reservierbare Garagen mit Ladefunktion für e-Bikes (Unabh. Ansprechpartner: Zukunftsnetz Mobilität).
  4. Car-Sharing ist mit bis zu 5.00€ pro Fahrzeug förderfähig und auch in kleineren Kommunen realisierbar; Gemeinden können als Betreiber auftreten (Unabh. Ansprechpartner: Zukunftsnetz Mobilität)
  5. Es sollte geprüft werden, inwiefern diese Förderung auch für Infrastrukturmaßnahmen auf Privatgeländen möglich ist, z.B. Fahrradgaragen auf Supermarktgelände usw.
  6. Die erfolgreiche Umsetzung aller Maßnahmen hängt von den Kapazitäten der Gemeindeverwaltung ab. Da die Themen Modernisierung und Diversifizierung des Verkehrsangebots, klimagerechte Gemeinde usw. mindestens eine Generationenaufgabe darstellen, sollte geprüft werden, ob zur Unterstützung der Gemeindeverwaltung zusätzliche Stellen geschaffen werden können.

Anhang

Karte mit Vorschlägen zur Verbesserung des ÖPNV

Karte mit aktueller ÖPNV-Situation

Pendlerzahlen (Statistisches Landesamt)

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